Steißbeinfistel / Pilondial – sinus / -fistel / -abszess

Was ist das ?

Sinus pilonidalis (von lat. pilus ‚Haar‘ und nidus ‚Nest‘) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung, die meist am Oberrand der Gesäßfalte (Rima ani) lokalisiert ist. Das Krankheitsbild hat viele Namen ….. Pilonidalsinus/-fistel, Steißbeinfistel, Jeeps Disease. Einige Namen z.B. das Sacaldermoid werden heute als falsch angesehen bzw. sind grundlegend andere, seltene Erkrankungen.

Die Erkrankung hat nichts mit After und Mastdarm, dem Spezialgebiet des Proktologen zu tun. Durch die räumliche Nähe wird sie aber trotzdem diesem Fachgebiet zugeordnet.

Entstehung

Die Ursache der Pilonidalfistel ist unklar:

Zwei Voraussetzungen scheinen erforderlich zu sein:
1) Haare
2) eine (tiefe) Hautfalte

Selten treten ähnliche Krankheitsbilder auch außerhalb der Steißregion auf z.B. in den Fingerzwischenräumen.

Die Entzündung beginnt in  der Haut und kann fistelartige Gänge und Höhlen ausbilden, die oft lose Haare enthalten.

Symptome

In der akuten Form kommt es zu eitrigen Entzündung d.h. einem Pilonidalabszeß. Pilonidalfisteln äußern sich durch wiederkehrende Schwellung am Oberrand der Gesäßfalte, die zeitweilig etwas nässen oder kurzzeitig etwas weh tun.

Wer ist betroffen?

Es scheinen v.a. junge Männer betroffen zu sein. Im 2. Weltkrieg sollen in der U.S. Armee 70.000 Fälle aufgetreten sein. Eine fast unglaublich erscheinende Zahl. Auch eines der aus unserer Sicht besten Operationsverfahren bei schwierigen Fällen wurde von einem Militärchirurgen entwickelt (Karydakis Operation). Natürlich können auch junge Frauen betroffen sein. Eine der besten Selbsthilfe websites (www.pilonidal.org) wird von einer Frau betrieben.

 Therapie:

Bei der abszedierten, akuten Form kommt nur die Abszeßeröffnung in Frage. Letztlich wird hierbei der Deckel der Eiteransammlung entfernt und es entsteht je nach Größe des Abszeßes eine u.U. sehr große Wunde die über Wochen von untern heraus zuwächst (granuliert).

Bei nicht akuten Fälle, d.h. Fisteln, die etwas nässen aber nicht schmerzhaft sind, kommt auch das Ausschneiden und offen lassen der Wunde in Frage. Es empfiehlt sich bei der Operation die Gänge mit einer Blaulösung  zu markieren, um keine Verzweigungen zu übersehen. Mitunter entstehen dann auch nur eine relativ kleine Wunde.

Die Erfolgsaussichten der offenen Methode variieren und es werden Rezidivraten (Wiederauftreten der Erkrankung) von bis zu 20% angegeben.

„Falsche“ Operationen

Methoden bei der nach Ausschneiden der Wunde (in Abwesenheit von Eiter) primär die Wunde wieder zugenäht wird sind aus unsere Sicht nicht mehr angebracht. Der Wundverschluss in der Mittellinie hat hohe Raten an Wundheilungsstörungen (>40%) und die Rezidivraten (>20%) sind hoch.

Neue Methode

Das sog. Pit Picking, bei dem nur die kleinen Öffnungen an der Hautoberfläche ausgeschnitten (und die tieferliegenden Fisteln belassen werden) wird aufgrund der geringen Invasivität des Verfahrens beworben. Aufgrund der hohen Rezidivraten (bis 70%) führen wir das Verfahren nicht durch.

Lappenverschlüsse

Eine Alternative, die v.a. bei wiederkehrender Erkrankung nach Voroperation angewandt wird sind OP Methoden mit Verschluss außerhalb der Mittellinie. Hier ist u.a. der Limberg Lappen zu nennen. Das von uns favorisierte Verfahren ist der sog. Karydakislappen. Das Verfahren wurde in den 70er Jahren von einem griechischen Militärchirurgen entwickelt. Ein Haut-/Unterhautlappen wird nach ausschneiden des erkrankten Gewebes auf die Gegenseite gezogen und hierdurch die Gesäßfalte 1) aus der Mittellinie genommen und 2) auch flacher. Die ursprüngliche Operation wurde von einigen Chirurgen modifiziert. V.a. Eugene Bascom aus den USA hat sich hierbei sehr hervorgetan. Er nennt den Eingriff “Cleft Lift“ (übersetzt: Anheben der Gesäßfalte). Auch ein Australischer Chirurg Paul Kitchen hat sich eine eigene Variante ausgedacht. Die von uns angewandte Methode nennen wir Karydakislappen modifiziert nach Bascom und Kitchen.

Die Nachbehandlung erfordert einen Krankenhausaufenthalt von ca. 5 Tagen. In den ersten 2 Wochen sollte Sitzen und tiefes herunterbeugen vermieden werden. Wundheilungsstörungen treten gelegentlich auf, sin aber in der Regel unbedeutend. Der Heilungsverlauf wird allenfalls etwas verlängert.

Vorbeugung?

Nur die Laserepilation scheint einen vorbeugenden Effekt zu haben. Die gesetzlichen Kassen bezahlen diese Behandlung in der Regel nicht.